Freitag, 24. Dezember 2010

Dienstag, 21. Dezember 2010

Frau Adriani weinte. Es klang, wie wenn jemand auf einer kleinen Kindertrompete blies, es war mehr eine Art Quäken, was da herauskam, ganz leise, bei völlig trockenen Augen - so machen die kleinen Gummischweinchen, wenn sie die Luft von sich geben und verrunzelnd zusammenfallen.

Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm.
Na - und - ?

Nüchs.

Montag, 20. Dezember 2010

Die Eine sieht's so, der andere so.










































































Und außerdem ein Rätsel passend zur Jahreszeit:

Welchen weltberühmten Turm in Paris stellt diese junge Schönheit dar? Tip: Gustave Eiffel war sein Konstrukteur.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Der Nachmittag an sich ist ein Zeitraum, der im Tagesverlauf so etwas wie die Ferienzeit im Jahresverlauf ist.

Kerstin Küchler: In der Warteschleife. L’ennui als utopischer Spielraum der Liebe in den Filmen von Eric Rohmer. In: Uta Felten (Hg.): Eric Rohmer. Filmkunst zwischen Liebe und Lüge. Edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag. München 2010, S. 101.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Der Nasenbär sprach zu der Bärin:
»Ich will dich jetzt was Schönes lehren!«
Worauf er ihr ins Weiche griff
Und dazu »La Paloma« pfiff.

Die Dächsin sprach zum Dachsen:
»Mann, bist du gut gewachsen!«
Der Dachs, der lächelte verhalten,
denn er hielt nichts von seiner Alten.

Der Förster, der grad Möhren dörrte
und dabei ein Röhren hörte,
sprach: »Wer den Hirsch beim Röhren stört,
der eben in den Föhren röhrt,
dem schlag’ ich meine Möhren
achtkantig um die Ohren.«

Der Bär schaut seinen Ziesemann
nie ohne stille Demut an.

Der Mops hat seinen Zeugungstrieb
ganz schrecklich gern und furchtbar lieb.

Das Vorspiel nahm den Hengst so mit,
daß er geschwächt zu Boden glitt.

Der Wal vollzieht den Liebesakt
zumeist im Wasser. Und stets nackt.

Zu Nachtzeit faßt der Kormoran
zu gern die Kormoranin an,
die dieses, wenn auch ungern, duldet,
da sie ihm zwei Mark fünfzig schuldet.

Der Kragenbär der holt sich munter
einen nach dem andern runter.

Der Pelikan steht wie gelähmt,
nie hat ihn jemand so beschämt,
wie jener feiste Kolibri,
der ihn des Pubertierens zieh.

In Köln, da können sich die Dohlen
selbst auf dem Dom ein Liebchen holen.

Zum Adler sprach die Gabelweihe
daß sie auf seinen Nabel speie,
nähm’ er nicht sofort seinen Schnabel
aus ihrer frischgekämmten Gabel.

Im Kurbordell von Königstein
ist jeden Samstag Tanz.
Dort treten sieben Mäuschen
ohn’ Unterlaß und Päuschen
der Katze auf den Schwaha,
der Katze auf den Schwanz.

Der Schäfer, der betrübt entdeckte,
Daß sich sein Hund aufs Leitschaf legte,
Verhieß ihm barsch die Todesstrafe,
Falls er nochmal ein Schaf beschlafe.

Der Liebe zwischen Fuchs und Schwan
Haftet ein stiller Zauber an.

Der Löwe schleicht ins Freudenhaus
Und klopft sich dort die Eier aus.

Die Heringsfrau, die sprach versonnen:
»So ein Wal wiegt siebzig Tonnen!«

Dem Sperber leiht der stolze Aar
Nur ungern sein Patentpessar.

Die meisten Schweineigel wohnen
Rund um die erogenen Zonen.

Seit jener selbsterdachten Stellung
Hat Meister Stier die Schienbeinprellung.

Bis auf das süße Lustgefühl
Läßt den Kauz der Beischlaf kühl.

Der Tausendfüßler sprach beklommen:
»Ich glaub, ich hab mich übernommen!«
Und dann stieg er, so schnell er konnte
Von jener Kuh, die sich g'rad sonnte.

Animalerotica
(Robert Gernhardt, F.W. Bernstein und F.K. Waechter)

Samstag, 11. Dezember 2010

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Gastbeitrag des 37. Will-Future-Fanclub „Pomelo and the Waschbärs“

Sehr geehrte Damen und Herren,

sicherlich sind auch Sie genau wie wir vom 37. Will-Future-Fanclub „Pomelo and the Waschbärs“ jedesmal auf’s Neue von der hohen Qualität der future’schen Schriften, Illustrationen und Photographien begeistert.

Und sicherlich haben Sie sich schon oft gefragt: „Wie könnte ich mich nur einmal, wenigstens ein einziges Mal, erkenntlich zeigen gegenüber diesem Genie?“

Wir vom 37. Will-Future-Fanclub „Pomelo and the Waschbärs“ haben jetzt die Lösung für Ihr größtes Problem! Wir haben uns heute nur für Sie exklusiv an dieser Stelle eingekackt. Äh Quatsch: eingehackt! Eingehackt haben wir uns hier ganz heimlich, um Ihnen ein unglaubliches Angebot zu machen:

Senden Sie Will Future anläßlich des Geburtstages seiner Omi am 24.12. ein T-Shirt von Rumpfkluft! Wir haben unten eine Vorauswahl für Sie getroffen, die wir total unauffällig bei einem Exklusiv-Get-Together letztens bei der Eröffnung einer neuen Filiale der Landfleischerei „Bedarf“ in Niederfüssen backstage mit ihm erfragt haben.

(Auch wenn er uns allen als der Größte erscheint, trägt er Größe S.)

Unter den ersten 50 Einsendungen werden die eventuell doppelt eingegangenen Shirts verlost – also mitmachen und richtig fett absahnen!

Mit futuristischen Grüßen,

Ihr Gordon Bleu

1. Vorsitzender des 37. Will-Future-Fanclubs „Pomelo and the Waschbärs“

2. Vorsitzender des 23. Will-Future-Fanclubs „Will Future for President of Gold-Gelb Pissen – mind the Mitgliederversammlung on March 9th 2011“

37. Vorsitzender des 1. Will-Future-Fanclubs „Will Future Memorial Club“

Von wegen Entscheidungsfreiheit

Mittwoch, 1. Dezember 2010


Sechzigtausend
Dollar für
Dübelschrauben
finde ich ziemlich viel.

Dienstag, 30. November 2010












Würfelzucker löst sich auf

Leipzig. Deutschlands Jugend ist bestürzt. Die beliebte Band Würfelzucker hat sich gestern Nachmittag beim Kaffeetrinken aufgelöst. Dies teilte Pressesprecherin Suzanne Suzette Will Future heute in der Kaffeepause mit.

„Der Druck auf uns ist immens, gerade nachdem unsere letzte Platte so sauerfolgreich war“, hatte Sänger Kluntje Friesland vor kurzem in einem Interview mit Kochen&Backen gesagt. Sucré Cœur, das dritte Album seiner Band wurde 2009 doppelt mit Diamant ausgezeichnet und hatte tatsächlich hohe Erwartungen an den Nachfolger gesetzt. Diesen wird es nun nach langem Warten nicht mehr geben.

Hunderte zumeist weibliche Jugendliche versammelten sich gestern spontan vor dem Hotel der Band, das diese sich vom Erlös des ersten Albums Die Würfel sind gefallen (2006) gekauft hatte. Die Mädchen lagen sich in den Armen, hielten Schilder und Transparente hoch, auf denen „Ihr seid die Süßesten“ oder „Zuckerfrei? Ohne mich!“ zu lesen war. Einige tanzten ein letztes Mal gemeinsam zu „Klempner“, dem ersten Hit der Band, den „Rohrzucker“. 

Würfelzucker hat in den letzten Jahren nicht nur Tausende Fans, sondern auch die Musikkritik begeistert. „Es hat seit Scooter in Deutschland keine vielseitigere Band mehr gegeben“, zitiert heute die Spex den Intro-Redakteur Einar von Beijden auf ihrer Website. Und tatsächlich überraschte nicht nur das Debut Die Würfel sind gefallen mit herausragenden Coverversionen von Sweet und Salt’n’Pepa und dem Rohrzucker-Tanz des nervösen Klempners Karl, sondern auch das 2007er Album Puder mit seinen anspruchsvollen Texten und vertrackten Songstrukturen wie in „Es hat sich schon mal einer totgemischt (Der Toningenieur)“. Die ganz große Nummer wurde dann aber im letzten Jahr das in Bordeaux produzierte Sucré Cœur mit dem Frühlings-, Sommer- und Herbsthit „Candyshop“.

„Einen Aufguß unserer alten Platten wollen wir nicht“, so Kluntje Friesland im Kochen&Backen-Interview vom Oktober. Die Ideen für ein weiteres Album blieben aus, aber als kleiner Wehrmachtstropfen für die Fans erscheint noch eine Vinyl-Doppelsingle mit den letzten Stücken von Würfelzucker: „Das Eckige muß ins Runde“ und das Instrumental (bereits ohne Friesland) „Sauer macht lustig“.

Sänger Kluntje Friesland ist seit gestern verschwunden und war für eine Stellungnahme nicht bereit. Von Schlagzeuger Kandis Braun und Gitarrist Kandis Weiß hieß es, sie seien völlig in Black Coffee aufgegangen, der Funk-Band um Mastermind Hendrik Herchenbach.

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Die Würfel sind gefallen (2006)









Puder (2007)









Sucré Cœur (2009)








Das Eckige muß ins Runde (ab 20.12.2010)

Montag, 29. November 2010

Die Nacht begann nachmittags um Fünf. Aber vorm Schlafengehen mußte sie noch ein Geschenk für ihre Mutter kaufen. Sie verließ nochmal die Nacht und betrat das Warenhaus unten an der Maigretstraße.

Kaum, daß sie die Türschwelle hinter sich gelassen hatte, fiel sie um. Der sechzig Grad heiße Passatwind hatte sie umgehauen. Als sie wieder zu sich kam, und sich Mütze und Schal ablegend umsah, wurde es schon wieder Nacht. Diesmal blies sie der Parfümeriescirocco weg. Beim dritten Versuch dann erreichte sie die Rolltreppe. Sie erinnerte sich daran, daß ihre Mutter früher immer gesagt hatte, daß man drinnen die Jacke ausziehen soll, wenn man draußen nicht frieren wolle.

Wolle und Stoffe gab es im dritten OG, aber sie fand dort nichts Passendes. Eine Verkäuferin empfahl ihr die Haustierabteilung, die erst letzte Woche eröffnet habe.

Die Rolltreppe spühlte sie und zahlreiche andere Menschen, vor allem Kinder, in die oberste Etage. Es schienen noch andere diesen Tip bekommen zu haben. Die Gänge waren voll mit Kindern, die sich umschauten nach Geschenken für ihre Eltern. Viele hatten nicht mal ihre Mützen abgesetzt und würden später auf dem Heimweg frieren müssen. Ein Verkäufer beriet einen Jungen, der seine Jacke vorbildlich auf dem Arm trug. Sie hörte den Mann sagen: Gerade ein Katzenbaby macht Vätern eine große Freude. Der Junge ließ sich ein graues Kätzchen zeigen und schien es kaufen zu wollen.

Sie lief die Gänge entlang und war begeistert vom reichhaltigen Angebot. Es gab nicht nur Hamster und Kanarienvögel - weder das Eine noch das Andere kämen für ihre Mutter in Frage - sondern auch Hasen, Eichhörnchen und dem Geruch nach auch irgendwo Kühe. Eine Kuh ist zu groß, dachte sie für sich. Aber sie gibt Milch, das ist auf der Folgekostenseite zu berücksichtigen. Naja, trotzdem zu groß. Hunde hatten sie auch und nicht wenige. Sie haßte Hunde. Aber mochte ihre Mutter sie nicht?

Sie zögerte nur einen Moment, verlangsamte den Schritt und schon stürzte sich ein Verkäufer auf sie. Kann ich Ihnen helfen? Es war der Verkäufer, der vorhin dem Jungen mit der Jacke auf dem Arm das Kätzchen gezeigt hatte. Der Junge hatte es genommen, das hatte sie im Augenwinkel gesehen. Er ließ sie sich auch gleich als Geschenk einpacken und zahlte dann mit seiner Junior-Kundenkarte.

Eigentlich suche ich ein Geschenk für meine Mutter und hab in der Stoffabteilung nichts gefunden. Der Verkäufer erklärte ihr, daß in diesem Jahr Tierbabies der letzte Schrei seien. Viele Eltern hätten diesen Wunsch, versicherte er ihr. Sie fragte ihn, was er empfehlen würde und das war ein Fehler. Er setzte zu einem achtminütigen Monolog inklusive Führung durch die gesamte Abteilung an. Sie kamen auch bei den Kühen vorbei, genauer bei den Kälbern. Ausgewachsene Exemplare hatten sie keine mehr da, aber sie würden morgen neue bekommen, hatte der Verkäufer gesagt.

Das Beratungsgespräch hatte ihr jegliche Orientierung genommen. Sie kaufte nur ein kleines Wildschwein, weil es ihr unangenehm war, das Geschäft zu verlassen, ohne irgendetwas zu kaufen. Die Kassiererin reagierte ein wenig verdutzt, als sie das Schwein nicht als Geschenk verpacken sollte. Ich nehme es gleich so und packe es dann zuhause ein, log sie und fuhr mit der Rolltreppe hinunter zum Ausgang. Fast wäre ihr das Schwein davongelaufen - sie hatte sich nicht einmal eine Tüte geben lassen - als sie sich die Jacke wieder überzog.

Sie schützte das kleine Schwein unter der Jacke, hielt die Luft an und sprang durch den heißen Wind hinaus in die verschneite Nacht. Das kleine Schwein quiekte vergnügt, als sie es in den Schnee setzte und rannte fröhlich neben ihr her. Nach einigen Metern sprang es in ein Gebüsch und sie freute sich, daß ihr Plan aufgegangen war. Fast hätte sie so einen winzigen Affen gekauft und dann sicher nicht gewußt, wohin damit. Vorteil Wildschwein.

Sie machte sich zuhause einen Kaukau und warf sich in ihren Schaukelstuhl. Sie überlegte, was sie nun ihrer Mutter schenken sollte und fand, daß ein Tier schon nicht schlecht wäre. Immer nur Computerspiele sind doch scheiße, dachte sie und Verantwortung zu übernehmen schadet auch nicht.

Sie holte sich Bleistift und Papier aus dem Keller und notierte einige Tiere. Nachdem sie zügig drei von der Liste gestrichen hatte, fiel es ihr schwer, sich zu entscheiden. Zu den letzten sechs Tieren schrieb sie sich jeweils Vor- und Nachteile, mit einem plus oder minus markiert, auf. Nach einiger Zeit hatte sie eine schöne Tabelle.

Waschbär
Procyon lotor
raton laveur
raccoon











+ kein natürlicher Feind
+ hat Hände*
+ modisches grau mit schwarz-weiß Applikationen
+ 2in1 (50% Bär und 50% Katze)
+ frißt alles – „das Schwein unter den Tieren“
+ Preisträger „Goldener Waschbär in Gold 2010“

- keine Nachteile

* Sie las im Lexikon nach, daß das Wort raccoon zurückgeht auf ahrah-koon-em, mit dem die Algonkin-Indianer um den Häuptling Powhatan und dessen Tochter Pocahontas den Bären, „der mit seinen Händen kratzt“ benannten. Die spanische Bezeichnung für den Waschbären mapache leitet sich vom aztekischen Wort mapachitli ab, das „der alles in seine Hände nimmt“ bedeutet, stand da außerdem noch.

Fuchs
Vulpes vulpes
renard
fox
















+ schlau
+ langer Schwanz
+ limitierte Auflage auch in edlem weiß

- hat die Gans gestohlen

Eichhörnchen
Sciurus vulgaris
écureuil
squirrel










+ wetterfest
+ handlich
+ Flaschenbürste gratis dazu
+ in den Trendfarben weiß, rot und schwarz
+ Preisträger „Goldener Waschbär in Silber 2010“

- benötigt Kletterbaum

Miezekatze
Felis silvestris catus
minou
pussycat









+ auch als reine Indoorvariante
+ hochwertige Verarbeitung
+ Dolbysurround Vibrationsalarm

- kotzt schon nach dem zweiten Threesixty auf den Teppich

Mäuschen
Mus musculus
souriceau
mousie












+ kompetent im Bereich der neuen Medien

- für Kinder unter drei Jahren wegen Verschluckungsgefahr nicht geeignet

„Hund“
Canis lupus familiaris
cabot
cur











+ braucht keinen Kletterbaum
+ unterschiedlichste Modellvarianten

- umfangreiche Sonderausstattung erforderlich (Zwiebeln, Gurken, Ketchup, Senf, Mayonnaise)

Da sie sich immer noch nicht entscheiden konnte, malte sie auf die Rückseite der Tabelle drei Bilder der Finalisten.

Kandidat 2 und 6 lernen sich kennen









Kandidat 4 und 5 lernen sich kennen
















Kandidat 1 verkleidet sich als Kandidat 3











Über ein selbstgemaltes Geschenk würde sich Mutti vielleicht auch freuen, dachte sie gerade noch, bevor sie einschlief. Nacht war ja schon seit Stunden.

Freitag, 26. November 2010

Donnerstag, 25. November 2010

Du, sag mal, der Winter ist doch eigentlich der Sommer der Weihnachtszeit, oder?

Waaas?

Na, der Winter. Der ist doch der Sommer der Weihnachtszeit, würde ich sagen.

Naja, wahrscheinlich könnte man das so sagen.

Eben. Und damit hat man ein Problem.

Hat man das?

Na, überleg doch mal: Wenn der Winter der Somm –

Ja, ist ja gut. Wir haben’s verstanden.

Wenn also der Sommer der Winter der Weihnachtszeit ist, nein andersrum, der Winter der Sommer der Weihnachtszeit ist, dann muß man sich doch fragen, ob Schnee der Regen des Winters ist oder -

Wieso denn ‚oder‘? Das ist doch klar wie Klosbrühe, daß Schnee der Regen des Winters ist.

Eben nicht! Meine Theorie ist, daß Schnee die Sonne des Winters ist.

Sag mal, was träumst‘n du eigentlich nachts?

Denk doch mal logisch, Alter! Wie sieht denn der typische Sommertag aus?

Der typische Sommertag.. Hmm.. Ich würde sagen, man geht nach der Schule ins Schwimmbad, spielt Fußball, grillt vielleicht ein bißchen oder so. Oder Strand, ja. Mit Sommer verbinde ich Strand, Sonnenschirme und sowas.

Naja, das ist ja irgendwie das gleiche, Schwimmbad und Strand.

Das kannst du ja mal einem toten Delphin im Chlorwasserbecken erklären.

Lenk doch nicht ab. Sag mal lieber, wie du das typische Winterbild beschreiben würdest?

Also da sehe ich, ein paar Kinder Schlitten fahren oder einen Schneemann bauen. Alles ist weiß, vielleicht grau.

Na siehst du!

Was seh ich?

Sommer heißt Sonne und Winter heißt Schnee. Also ist der Schnee die Sonne des Winters.

Warum denke ich, daß du mich verarschst?

Weil du dämlich bist. Es ist total logisch. Das kannst du mit einer Verhältnisgleichung auflösen, die Analogie jetzt.

Das kann ich überhaupt nicht.

Ich mein ja nur. Du könntest es jedenfalls.

Jaja. … Sag mal, ist dann nicht aber auch der Regen des Sommers die Sonne des Winters?

Ja natürlich, du Blitzmerker.

Tschuldigung. Das ist irgendwie verwirrend.

Nein, verwirrend wird es erst, wenn man davon ausgeht, daß der Glühwein das Bier des Winters ist.

Das finde ich überhaupt nicht verwirrend, sondern jetzt wirklich mal logisch.

Weil du eben nur von der Wand bis zur Tapete denkst. Wenn man das weiterspinnt, dann ist doch der Kinderpunsch die Cola des Winters –

Ja logisch!

Und das Eis ist die gebrannte Mandel des Sommers.

Ist Mandelnbrennen nicht verboten?

Nein, Schnaps- und CD-Brennen ist verboten.

Ach ja, hab ich verwechselt.. Ist Schnaps vielleicht die CD des Winters?

Auf jeden Fall.

Ich verstehe nicht, worauf du hinaus willst.

Also was ich eigentlich sagen wollte, ist: die Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt ist die Bratwurst des Winters.

Hmm. … Mmmh, Bratwurst… Gehen wir was essen?

Wir müssen vorher noch unser Lied singen.

Na los. Ganz schnell. Der Gitarrenschlumpf fängt an!

Sonntag, 21. November 2010

Gestern


Retroparties sind sowas von 80er. Aber die Platte des Jahres 2008 lebt ewig. Genau wie der Harakiri-Stammtisch Altona.



Samstag, 20. November 2010

Der Kosmonaut wollte noch nicht in Rente gehen
Erster Aufzug

[Eine junge Frau spricht auf einem sterilen Gang einen älteren Herren an]

Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?

Ähm.. Ich weiß nicht.. Ich wollte eigentlich zu Frau Steinhagen, aber jetzt lese ich hier „Frau Steinhagen hatte letzte Woche einen Unfall und ist krank, deshalb müssen ihre Sprechstunden leider bis auf Weiteres ausfallen“.

Haben Sie denn einen Termin mit ihr gehabt?

Ja, ich bin heute extra in die Stadt gekommen deswegen. Wissen Sie, ich habe eine sehr lange Anfahrt.

Dann sind Sie wohl Herr Jähn?

Ähm, ja, woher wissen Sie denn das? Haben Sie mich erkannt?

Aber natürlich! Ich habe alle Ihre Filme gesehen!

Na prima.

Kommen Sie doch bitte mit in mein Büro, ich übernehme vorerst Frau Steinhagens Termine.

Wissen Sie, wie es ihr geht? Verunfallt und krank – das ist ja echt hart. War sie schon krank beim Unfall oder ist sie es erst danach geworden?

Machen Sie sich keine Sorgen, sie wird schon wieder. Ich habe heute Morgen mit ihr telephoniert und da wirkte sie durchaus optimistisch.

Das ist gut.

Setzen Sie sich doch. Ich habe es noch nicht geschafft, in ihre Akte zu sehen, erzählen Sie mir doch kurz, was ich für Sie tun kann.

Es gibt eine Akte über mich?

Natürlich. Es gibt hier über fast jeden eine Akte.

Das wußte ich nicht.

Was kann ich denn nun für Sie tun?

Warum komme ich denn wohl um dreiviertel Acht aufs Arbeitsamt?

Weil Sie Arbeit suchen!

Sie sind aber ein cleveres, junges Ding, Frollein!

Hihi.. Danke. Was könnten Sie sich denn so vorstellen zu machen?

Naja.. Vielleicht Science-Fiction-Darsteller oder sowas..

Hmm.. was haben wir denn da? Da! Der neue Film von Harald Potter wird nächsten Monat in Görlitz gedreht.

Ich sagte Science-Fiction, nicht Fantasy.

Wo ist denn da der Unterschied? Ist doch beides Scheiße.

Stimmt auch wieder.. Vielleicht könnten wir bei mir auf dem Hof eine Wetterstation aufstellen..

Und dann?

Na dann könnte ich jede Stunde im Radio anrufen und denen die Temperatur sagen.

Hmm, wo wohnen Sie denn?

Auf der Poststraße.

Aha. Hmm.. Ich ruf mal beim Radio an, was die davon halten, okay?

Okay. …

Ja hallo, spreche ich da mit Freddy? … Nein. Ach mit Herrn Fischer.. Mit DEM Herrn Fischer? … Na das gibt’s ja nicht! Aber sagen Sie mal, ich hab hier den Herrn Jähn da, … Ja! Den Kosmonauten, genau. Kennen Sie den? … Der Herr Böttger war mit Ihnen in der Klasse.. … Ach mit IHM war er in der Klasse – schönen Gruß von Herrn Böttger, Herr Jähn!

Ist mir nicht bekannt.

Aber er, also der Herr Fischer sagt, daß Herr Böttger mit Ihnen in der Klasse war.

Nein, war er nicht. Es muß eine Verwechslung vorliegen, bei uns in der Klasse gab es keinen Herrn Böttger. Es gab einen Thomas, einen Stefan, Maurice, zwei Horste und mich – sonst nur Mädchen. Sie sehen: kein Herr Böttger dabei. Fragen Sie diesen Herrn Böttger doch mal, ob er das Porzellan erfunden hat.

Herr Böttger, haben Sie … ach, Sie haben schon mitgehört, was der Herr Jähn gesagt hat? Nein, er hat es nicht erfunden, Herr Jähn. Er heißt nur so.

Vielleicht meint er ja auch einen anderen Kosmonauten namens Jähn.

So ein Unsinn, einen anderen.. Also wirklich!

Fragen Sie doch!

Also Herr Böttger, wie heißt denn der Herr Jähn, den Sie meinen mit Vornamen? … ach so, der ist schon wieder auf Sendung.. Sehen Sie, Herr Jähn, ich habe jetzt wieder Herrn Fischer am Apparat, weil der Herr –

Jaja, ich bin ja nicht taub.

Sehr gut! Da fällt mir was ein! Auf Wiederhören, Herr Fischer. Warum haben Sie das denn nicht gleich gesagt, daß Sie nicht taub sind? Dann hätte ich doch gar nicht erst beim Radio angerufen..

Ich hielt das für nicht so wichtig. Entschuldigung. Ich bin zum ersten Mal hier.

Aber das weiß ich doch, Herr Jähn. Ich schlage vor, daß wir erstmal Ihre Daten aufnehmen.

Was denn für Daten?

Na Name, Adresse und sowas.

Das steht doch bestimmt auch in der Akte!?

Stimmt. Ich muß das aber hier nochmal ausfüllen. … Poststraße … Und die Postleitzahl?

Neunzig Zweihundertzehn!

Ach na klar, da hätte ich auch selbst drauf kommen können.

Erst denken, dann fragen.

Haben Sie auch eine Emailadresse?

Die hatte ich schon 1979! Ganz einfach: thefirst@themoon.ddr

So! welche Sprachen sprechen Sie denn, Herr Jähn?

Deutsch und Russisch, ein bißchen auch Sächsisch und Klingonisch.

Da ham’se recht: säggs’sch gling’gomisch!

Haha. Witz, lach, lach.

Warten Sie mal, ich seh gerade: die Firma Belle Epoque -

Ist das nicht der Dekorateur am Markt?

Ja, genau.

Ein feiner Laden.

Jetzt lassen Sie mich doch mal ausreden, Herr Jähn! Die suchen da einen Weltraumausstatter. Wär das nicht was?

Aber ich bin doch heterosexuell.

Hmm.. Das ist natürlich schwierig. … Wissen Sie was, ich ruf da mal an. Wir müssen denen ja nicht gleich ihr kleines Geheimnis verraten, oder?

Na ja, wenn Sie meinen. Ich bin aber kein guter Lügner.

Neunachtsiebensechsfünfvierdreizweieins – na die Telephonnummer können Sie sich ja schnell merken! Sie müssen nur aufpassen, daß Sie nicht jedesmal starten nach der Eins, hihihi..

Hihi..

Oh, eh ja guten Tag. Hier spricht das Arbeitsamt! Sie suchen einen Weltraumausstatter, richtig … Dann hätte ich hier jemanden für Sie! [zwinkert Sigmund Jähn zu] Er ist sehr erfahren, aber eher ein Quereinsteiger … Nein, QUER, nicht QUEER. … Er war sogar schon mal im Weltraum! … Jetzt? … Moment. Herr Jähn, hätten Sie Zeit, im Anschluß an unseren Termin direkt am Markt vorbeizugehen?

Ähm, ich bin doch aber gar nicht richtig vorbereitet..

Ja, Sie haben richtig gehört, es ist Herr Jähn.

Also der Parkschein läuft eh noch zwei Stunden. Ja, ich komme vorbei!

Hören Sie, ich schicke Ihnen Herrn Jähn jetzt rüber. … Ob er schwul ist? Das weiß ich doch nicht. … Ob er Astronaut oder Kosmonaut war, soll ich Ihn fragen? … Herr Jähn, waren Sie Astronaut oder –

Kosmonaut!

Haben Sie gehört? Er war Kosmo - … Ja, Sie haben gehört, er soll vorbeikommen, okay, dann bis – Aufgelegt!

Ich danke Ihnen, Frollein. Hätte gar nicht gedacht, daß das so einfach ist hier.

Ja wissen Sie, wenn jemand wirklich arbeiten will, so wie Sie, dann findet er auch was. Man darf sich halt nicht zu schade sein für die Drecksarbeit.

Also Drecksarbeit mache ich aber keine! Wo kommen wir denn da hin!?



Zweiter Aufzug

[Der ältere Herr aus dem ersten Aufzug betritt ein Dekorationsfachgeschäft]

Palimm palimm.

[Zunächst ist niemand zu sehen. Aus dem ersten OG kommt ein Mann die Treppe herab, bleibt auf halber Treppe stehen]

Sie schauen sich erstmal um!?

Ähm, nein. Ich habe einen Termin mit dem Chef. Die vom Arbeitsamt schicken mich.

Aber natürlich! Herr Jähn! Wie konnte ich nur! Einen wunderschönen Tag wünsche ich Ihnen. Kommen Sie doch mit rauf ins Büro.

In Ordnung.

Meine Güte, Sie sind aber ein Schneller, wielang ist das her, daß ich mit dem Frollein telephoniert habe – zehn Minuten?

Ja, das kommt hin, das Arbeitsamt ist ja aber auch gleich um die Ecke.

Ach so? Wollen Sie einen Kaffee?

Sehr gern. Mit Milch und Zucker, bitte.

Natürlich. Setzen Sie sich.

[Der Dekorateur verschwindet im Nebenraum, Sigmund Jähn erkundet den Raum. Kaffeegeruch.]

So! Ihr Kaffee.

Vielen Dank. [Sigmund Jähn schenkt sich ordentlich Milch ein und mustert dabei das kuhförmige Milchkännchen und seine Markierung am Hintern – zwei gekreuzte blaue Schwerter] Ein schönes Kännchen haben Sie da.

Oh ja. Ich sehe schon, wir verstehen uns. Ich war mir nicht sicher, ob Sie für die Stelle hier geeignet sind, aber jetzt ist mir alles klar.

Ich selbst habe ein Meißener Kännchen in Form eines Albinohäschens.

Nein!

Doch.. Hier, ich zeig es Ihnen auf meinem Handy. [zeigt es ihm auf seinem Handy]

Jetzt haben Sie es mir gezeigt.

Ja. [packt das Telephon zurück in seine Herrentasche und kontrolliert dabei, ob der Autoschlüssel noch da ist]

Herr Jähn, ich sage es Ihnen, wie es ist: Ich möchte, daß Sie für mich arbeiten.

Was genau soll ich denn eigentlich machen?

Nun, wir sind ein Dekorationsunternehmen mit derzeit drei Angestellten. Wir dekorieren eigentlich in ganz Europa, aber das reicht mir nicht. Deshalb möchte ich Sie, wie gesagt, als Weltraumausstatter. Da fehlen uns eindeutig die Kompetenzen. Sie bekommen fünfzehn Assistenten und dann kann’s losgehen.

Aha.. Aber Sie erwarten doch nicht von jetzt auf gleich ein Konzept von mir!?

Nein, natürlich nicht gleich. Das hat noch Zeit. Die ersten Flüge sind für Montag gebucht.

Montag.. Ja, das könnte gehen.

Sagen Sie mir doch mal ihre ersten Ideen, ganz unvoreingenommen.

Naja, vielleicht könnte man was mit.. naja..

Ja?

Vielleicht Sterne oder so..

Sie meinen, weil er 2013 dreihundertsten Geburtstag hätte?

Hä? Ach so, nein, nicht Laurence Sterne. Ich meinte Sterne im Sinne von mindestens zwei Stück Stern, also der Himmelskörper.

Aja, natürlich. Find ich nicht schlecht als ersten Ansatz. .. Es müßte den Leuten deutlich formuliert werden, damit es nicht zu solchen Mißverständnissen wie eben kommt, aber klar, warum nicht. Arbeiten Sie weiter dran.

Okay. Was zahlen Sie denn eigentlich?

Naja, ich hatte ja eigentlich eine 30-Stunden-Stelle ausgeschrieben, aber ich merke ja schon, daß Sie das viel zu ernst nehmen, um Sie nur auf so eine halbe Stelle zu setzen.. ich schlage mal ganz salopp vor: Sie unterschreiben für drei Jahre, vierzig Stunden pro Woche, Arbeitstage Dienstag bis Samstag, 15 Minuten Frühstücks- und 100 Minuten Mittagspause, Grundgehalt 1435,70 nein 80 Euro Brutto plus Spesen. Ach so ja: bei uns ist Brutto gleich Netto – eine lange Geschichte, erzähle ich Ihnen am Dienstag in der Frühstückspause.

Könnte ich noch etwas mehr bekommen?

Ich hab doch schon auf 80 erhöht.. Aber gut: Grundgehalt 1200 Euro, Erfolgsprämie von 47 Euro pro Arbeitstag.

Ich meinte zwar eigentlich Kaffee, aber okay. Ich mach mit.

Wunderbar, Herr Jähn! Ach so, bevor ich’s vergesse: Haben Sie ein eigenes Raumschiff?

Eins? Ich hab sogar ein Cabrio für den Sommer.

Ja, ich erinnere mich, da hab ich mal was in der Zeitung gesehen.

Nein, das war ein älteres, das nutzt mittlerweile mein Sohn.

Ich würde Sie jedenfalls darum bitten, daß Sie das Raumschiff sowie einen Farbroller, ein Maßband und ein Cuttermesser selbst zur Verfügung stellen, weil wir das nicht für alle unsere Mitarbeiter bezahlen können.

Das verstehe ich [holt seine Herrentasche unter dem Tisch hervor, zieht den Reißverschluß auf und holt den Schlüssel zu seinem Raumschiff, an dem auch der Beeper für das Garagentor hängt, ein Maßband und ein Cuttermesser heraus] Sehen Sie mal: Ich bin Ihr Mann.

[beide freuen sich]

Danke für den Kaffee, ich schicke Ihnen morgen Mittag eine SMS mit meinem Konzept für den Weltraum.

Und ich mache den Vertrag fertig. Wollen Sie gleich eine Vorauszahlung? Ich hab aber nur 3000 Euro da.

Die nehme ich als Anzahlung schon mal mit, den Rest klären wir am Montag.

Am Dienstag, Herr Jähn! Wir haben doch am Montag geschlossen.

Wie die Friseure.

Wie die Friseure. Auf Wiedersehen und einen schönen Tag noch.

Tschüß. Schauen Sie, da kommt auch grad Kundschaft, gut, daß ich gehe.

Schönen guten Tag, die Herrschaften. Ja, diese Kissen sind wirklich bezaubernd.



Dritter Aufzug

[Sigmund Jähn zieht sich im Korridor die Hauschuhe an]

Mäuschen, wir müssen am Wochenende die Raumkapsel auf Vordermann bringen.

So ein Zufall, gerade heute habe ich neues Raumspray gekauft. Aber wieso denn eigentlich?

Ich war doch heute auf dem Arbeitsamt –

Hast du Frau Steinhagen einen schönen Gruß von mir bestellt?

Frau Steinhagen war nicht da, Stell dir vor, die hatte einen Unfall und ist auch noch krank.

Ach, die Arme.

Vergiß Sie! Ihre Kollegin hat mir eine Stelle bei dem Dekotypen am Markt verschafft.

Aber du bist doch gar nicht schwul!

Das weiß der scheinbar nicht.

Naja, wahrscheinlich denken die, du warst all die Zeit im All allein unter Männern..

Ist doch scheißegal, ich muß noch nicht in Rente!

Stimmt. Solange ich noch arbeiten gehe, kannst du ja auch noch gehen.

Und trotzdem können wir noch am Sonnabend deinen 37. Geburtstag feiern!

Oh ja, ich freue mich schon aufs Feuerwerk.

Na eben, ich muß mich noch um die Raketen kümmern!

Vergiß das nicht! Du weißt, daß Zauber-Falk am Freitag in den Urlaub fährt.

Ich ruf ihn gleich mal an.

[beepbeepbeep]

Nur drei Stellen, hast du den auf Kurzwahl?

Ja, aber jetzt sei ruhig, es ruft schon.. Falk, altes Sachbuch, hier ist Siggi.. Ja, natürlich hast du das schon auf dem Display gesehen.. Was, ich rufe ein bißchen spät an wegen der Geburtstagsraketen?.. Woher weißt du.. DU hast sie schon beiseite gelegt?.. Dann ist doch alles gut! Wann kann ich sie denn abholen? .. Morgen vormittag? Ja, das paßt. .. Ja, gut, geh zurück in den Pool.

Alles klar?

Jepp, Falk hat an alles gedacht. Ich hab ihm wohl letztens im Kino schon den Auftrag gegeben. Kann mich zwar nicht dran erinnern, aber woher soll er es denn sonst wissen? Ich geh jetzt erstmal aufs Klo.
[geht ab]

Verdammt! Das war knapp. [beepbeep] Ja Falk, ich bin’s.. Ja, das hast du schon auf dem Display gesehen. Hör mal zu, du mußt aufpassen, daß du dich nicht verquatschst, Siggi ist doch nicht blöde. Irgendwann merkt er das.. Ja, ich weiß, ich muß es ihm sagen, nicht du.. Hmm? .. Ja, er hat jetzt eine neue Stelle, da ist wieder mehr Zeit, Oh er kommt! Tschüß.

Na, alles fit im Schritt?

Mäuschen, du sollst dir diese dämlichen Sprüche in meiner Gegenwart verkneifen. Ich bin nicht so ein Trottel wie deine Hilfsschüler.

Hast ja recht, entschuldige.

Noch dazu komme ich grad vom Klo. Völlig unpassend.

Ja ja. Ich hab’s verstanden. Hast du Hunger?

Eigentlich noch nicht, ich hab vorhin’ne Bratwurst in der Stadt gegessen.

Ach so.

War sie gut?

Nein.

Hast du schon Zeitung gelesen?

Na eben, nein. Sollte ich?

Vielleicht interessiert dich die Saturn-Werbung.. Soll ich uns einen Tee machen?

Ich nehme lieber’n Tässchen Kaffee.

Mit Schuß?

Klar, wir sind doch unter uns. Gehen wir auf die Terrasse?

Ja, ich mach den Kaffee und du holst mein Buch vom Nachttischchen.

Sonst noch was?

[Sie lugt unter der Gardine nach draußen] Ja, bring mal die Sonnenmilch aus dem Badschrank mit.



Vierter Aufzug

[Frau Jähn wird 37]

Können wir mit dem Kaffeetrinken nicht noch warten bis das Spiel zu Ende ist?

Willst du mir sagen, daß du lieber vor diesem dämlichen Newsticker sitzt als bei deiner Familie zu sein?

Nein, natürlich nicht, aber es sind doch nur noch vierfünf Minuten.

Deine Frau wird nur einmal Siebenunddreißig!

Aber Neunundzwanzig ist sie doch auch dreimal geworden..

Komm jetzt!

Na gut. [bippbipp] Oh, warte mal. Elfmeter!

Na prima.


JA! Zweinull. Wagefeld ist einfach ein Held der Arbeit. Der Drops ist gelutscht!

Kommst du jetzt!?

Bin schon da.

Die Schlagsahne fällt doch sonst wieder zusammen.

Ich bin doch schon da.

Ziehst du noch das Trikot aus!?

Oh ja, hätt ich fast vergessen. Wo ich doch immer kleckere.. Glück gehabt, danke.

So! Jetzt aber: Piepiepiep, guten Appetit. Ich hätte gern ein Stück Erdbeertorte.

Hier, bitteschön. Kannst du mir bitte einen Schaumelephanten geben?

Aber natürlich.

Vielen Dank. Horst, nimm dir doch! Oder soll Stefanie erst rüber kommen? Also, Mäuschen, wir erheben die Kuchengabeln auf dich und deinen Geburtstag!

Vielen Dank, Siegmund.



Fünfter Aufzug

[der erste Arbeitstag als Weltraumaustatter]

Guten Morgen.

Röte-Rautenkranz.

Haha.

Tschuldigung, das hören Sie wahrscheinlich öfter, nicht!?

Heute Morgen röte ich’s schon dreimal.

Inklusive von mir?

Nein, Sie waren der vierte Scherzkeks. Wie heißen Sie eigentlich?

Arno Nühm. Ich bin Ihr erster Assistent, Herr Jähn.

Dann gehen Sie gleich einen Kaffee holen! Und schicken Sie Schmidt zu mir!

Wer ist denn Schmidt?

Fragen Sie nicht! Holen Sie ihn!

Ja, natürlich.

HALT!

Was ist denn noch?

Wollen Sie mich nicht fragen, ob ich Milch und oder Zucker in den Kaffee möchte?

Der Chef hat gesagt, Sie mögen Ihren Kaffee mit viel Milch und einem Zucker.

Arno Nühm, Sie sind sehr gut vorbereitet. Das gefällt mir. Bringen Sie sich auch einen Kaffee mit, auf meine Rechnung!

Danke, bin sofort zurück.

Bis gleich.

Bis gleich.

Herr Doktor Jähn!?

Ja? Aber lassen Sie doch bitte den „Doktor“ weg.

In Ordnung. Herr Jähn, ich bin Tino Nühm –

Sind Sie mit meinem Assistenten verwandt?

Wir sind Brüder.

Das sieht man!

Na danke..

War bloß Spaß. Sind Sie auch in meinem Team?

Ja, ich bin Arnos, also Herrn Nühms, erster Assistent.

Also ich würde ja sagen, daß wir uns beim Vornamen nennen. Oder soll ich jedesmal Herr Nühm d.Ä. bzw. d.J. sagen, wenn ich nur einen von Ihnen zusammenscheißen will? Ich bin der Siegmund.

Und ich der Tino.

Was? Da geht man einmal einen Kaffee holen und schon sind der Vorgesetzte und der Assistent vom Assistenten per Du!?

Arno, wir sind noch beim Sie, aber da Sie beide ja den gleichen Nachnamen teilen, scheint es mir klarer, wenn wir uns beim Vornamen nennen.

Das ist natürlich richtig, aber ich gebe zu bedenken, das Tino und ich uns natürlich seit unserer Kindheit duzen, wohingegen Sie uns und wir Sie siezen.

Auch wieder wahr. Aber vielleicht ist es für Sie beide auch einfacher, Privates und Geschäftliches zu trennen, wenn Sie sich hier siezen und daheim duzen?

Da machen Sie es sich aber sehr einfach. Vornamen und siezen, das ist ja wie beim Zahnarzt.

Da könne wir ja gleich wieder „Doktor“ sagen.

Na dann kann’s ja jetzt losgehen.